Der Verein
Vereinschronik Sportverein "Solidarität" Kleinensee 1928 e.V
Am 1. Mai 1928 fanden sich im Gasthaus Fritz Maus einige Fussballbegeisterte Sportler aus Kleinensee zusammen.Sie wollten den Fußballsport bekannt machen und sich selbst sportlich engagieren.
Die Anfänge des Fussballsports waren, wie überall in Deutschland, in diesen Jahren sehr bescheiden. Aber der Siegeszug des Fussballs durch ganz Europa konnte natürlich nicht an dem beschaulichen Ort
Kleinensee vorbeiziehen. So gründeten die jungen Fussballsportler den Fussballclub "VfL Kleinensee".
Viel Idealismus und persönliche Entbehrungen haben die Männer seinerzeit auf sich genommen, um am sportlichen Geschehen teizunehmen. Die Zahl der Aktiven und der wirklich Getreuen war klein, das so
genannte Taschengeld (damit mussten fast alle Ausgaben bestritten werden) war sehr gering, die Widestände der Eltern, der Gemeindevertretung, der Obrigkeit war jedoch umso größer.
Sicherlich haben wir auch heute ähnliche Sorgen, aber sie halten einen Vergleich mit denen unserer Sportvorfahren nicht aus. Die wenigen Sportfreunde von damals mussten sehr viel größere Opfer
bringen.
Der Sportplatz im Seegebiet (an der Grenze zu Großensee) mussten in Eigenhilfe hergerichtet werden. Die mehr als bescheidene Sportausrüstung und die Fahrtkosten für auswärtige
Spieler wurden von allen Spielern gemeinsam aufgebracht, da dem Verein kaum Geld zur Verfügung stand.
Der damalige Fussball wurde aus Lumpen gefertigt. Das Tor bestand aus der Luft zwischen zwei Mützen. Die damaligen Sportler
waren jedoch mit sehr viel Begeisterung dabei, denn Begeisterung
und Erinnerung vergoldet.
Die Geschicke des Vereins lenkten Heinrich Schäfer und Karl Brill.
Der Verein war damals dem "Arbeiter-,Turn- und Sportbund e.V."
angeschlossen. Gespielt wurde in der "Freien Thüringer Fussballvereinigung" im Bezirk Salzungen. Die Gegner waren u.a.
BV Eisenach, FSV Eisenach, Horschlitt, Dippach,Stockhausen, Creuzburg oder Wenigenlupnitz.
Der Verein konnte alsbald eine hoffnungsvolle Aufwärtsentwicklung
verzeichnen. Jedoch kam dann die schwerste Zeit des Vereins. Der Sportbetrieb wurde umorganisiert durch das damalige Nazi-Regime
Es folgte der zweite Weltkrieg, der dem Verein auch zahlreiche Blutopfer kostete.
Die Vereinstätigkeit musste auf ein Minimum reduziert werden. Die
Senioren wurden Soldaten, viele Jugendlich wurden zum Militärdienst oder zum Reichsarbeitsdienst herangezogen. Der kaum verbliebene Jugendsport wurde von dem oben genannten Regime letztlich auch noch
für Propagandazwecke missbraucht.
Auf Kontrollratsbeschluss der Siegermächte wurde der Reichsbund für Leibesübungen mit sämtlich ihm angeschlossenen Vereinen aufgelöst und verboten.
Im August 1945 wurde der neu gegründete Volkssportverband von der Militärregierung anerkannt und mit der Neuorganisation des Sportes beauftragt. Vereinsgründungen - egal ob Neu- oder
Wiedergründungen- waren aber nur mit Genehmigung möglich.
Mit einer solchen Genehmigung der Militärregierung wurde dann am 1. März 1946 als Nachfolgeverein des "VfL Kleinensee" der Sportverein Solidarität Kleinensee gegründet.
Der damalige Bürgermeister Krapf hatte zur Gründungsversamm-
lung in das Gasthaus Knies (unser heutiges Vereinslokal) eingeladen.
Aus dem Protokoll:
Der Herr Bürgermeister beruft die Versammlung ein und führt den Vorsitz.
Tagesordnung:
1. Grundsätzliches für eine Vereinsführung
2. Wahl der Vorstandsmitglieder
a Vorstand - Brill, Hans I
b Schriftführer - Maus, Fritz I
c Kassenwart - Krapf, Heinrich
d Spielführer - Wehner, Willi
e Vertreter des Vorstands - Peter, Georg
3. Mitgliedsaufnahme: 31 Jugendliche erklären ihren Beitritt zu dem Verein
Unterzeichnet durch den Vorstand
In den nachfolgenden Tagen erklärten weitere Jugendliche den Beitritt zum Verein. Der Kreissportverband schrieb danach die Wahl eines Jugendwartes vor. Martin Pforr II wurde am 14. August hierfür
gewählt. Es fehlte jedoch an Sportausrüstung und Trans-
portmitteln, selbst ein Sportplatz stand noch nicht zur Verfügung.
Auf der Schulwiese wurde ein Sportplatz aus Eigenleistung herge-
richtet und bespielbar gemacht. Nun fanden auch die ersten Freundschaftsspiele gegen Lispenhausen, Wöflershausen, Lengers u.a. statt.
Schnell wuchs man zu einer Mannschaft zusammen. Nicht nur im Verein auch privat wurden die Freundschaften gepflegt. Die im Besitz des Vereins befindlichen Fussballschuhe wurden an die Spieler
verteilt, es konnte jedoch nur eine Mannschaft am Spiel-
betrieb teilnehmen, da das Material knapp war. Von Anfang 1947 bis 1951 hatte der Verein auch eine Theatergruppe.
Im Oktober 1948 wurde mit dem Bau des Sportplatzes im Seulingssee begonnen. Nach zahlreichen Erdbewegungen wurde der Platz im Mai 1949 mit einem Sportfest eingeweiht.
Das Vereinsleben wurde zunehmend reger. Hervorzuheben aus der
damaligen Zeit sind Besuche und freundschaftliche Kontakte nach Thüringen in der ehemaligen DDR.
Auch sportliche Erfolge konnten verbucht werden. Im Jahr 1954 gewann man die Kalipokalrunde. Auch der Aufstieg in der Spielserie
1954/55 in die A-Klasse-Ost konnte erreicht werden. Diese Klasse konnte allerdings nur ein Jahr gehalten werden, da viele Spieler die Fussballschuhe auszogen und als Aktive nicht mehr zur Verfügung
standen.
Mitte der 50er Jahre musste der Sportplatz an der Zonengrenze weichen und wurde an seinen heutigen Standort verlegt.
In den 60er Jahren spielte der SV Kleinensee mit wechselndem Erfolg in der B-Klasse-Hersfeld. Im Spieljahr 1965/66 wurde der SV Kleinensee allerdings B-Klasse-Rotenburg zugeteilt und traf auf
Nachbarorte wie Hönebach, Solz, Nentershausen oder Gilfershausen.
In all diesen Jahren wurde die Kameradschaft sehr gepflegt und viele Aktivitäten im Vereinsleben haben den Sportkameraden und ihren Familien schöne Stunden bereitet. Auch hier gilt wieder die
Erinnerung, welche die Zeit vergoldet.
Anfang der 70er Jahre stieg man sogar in die neu gegründete C-Klasse ab. Ein Punkt fehlte dem SV Kleinensee damals zum Klassenerhalt. Die C-Klasse wurde jedoch gleich wieder aufgelöst
und so spielte der Verein in den folgenden Jahren meist in den unteren Tabellenregionen der B-Klasse. Fussball wurde jedoch alle Zeit mit Begeisterung und Elan gespielt.
Im Jahr 1974 wurde das Sportangebot des SV Kleinensee erweitert und bietet bis heute die Vielfältigkeit.
Am 9. September 1974 wurde die Abteilung Damengymnastik ins Leben gerufen. Monika Bogatzki und Christel Müller führten noch auch Sportlerinnen zusammen mit der Übungsleiterin Anita Pfromm
in das Sportleben ein.
Mit der Fertigstellung des Dorfgemeinschaftshauses konnten jedoch erst in Kleinensee die Übungsstunden abgeleistet werden, und das lästige Reisen in die Turnhalle nach Widdershausen konnte
entfallen.
Seit 1984 führt nun Christel Vogt als Übungsleiterin die Abteilung und das Angebot ist erweitert worden mit Kinderturnen und Übungsstunden bereits im Kindergarten.
Das dritte Standbein bekam der SV Kleinensee dann am 22. November 1974 mit der Gründung der Tischtennisabteilung. In mühseliger und eifriger Arbeit entwickelte sich eine Abteilung, die heute den SV
Kleinensee auch über die Kreisgrenze hinweg sportlich vertritt und dies mit derzeit großen Erfolg.
Im Jahr 1978 wurde das 50jährige Vereinsjubiläum mit einem großen Fussballtunier gefeiert.
Man hoffte und baute Ende der 70er Jahre bereits auf den Nachwuchs, der im Schüler- und Jugendbereich bereits beachtliche
Erfolge verzeichnen konnte. In der Spielserie 1979/80 etablierte sich dann eine spielstarke Mannschaft.Mit der Rückkehr einiger Spieler aus Nachbarvereinen und mit der Anleitung von Trainer Georg
Führer fand man sich nun in der oberen Tabellenhälfte wieder.
In der Saison 1981/82 gelang der Aufstieg in die A-Klasse-Fulda/Nord. Die Mannschaft konnte sich auch in der Spielklasse etablieren und belegt stets gute Mittelplätze in der Tabelle.
Im Jahr 1983 gelang ein weiterer Erfolg mit dem Gewinn der Stadtmeisterschaft.
Im gleichen Jahr wurde das Sportlerheim eingeweiht, welches in Eigenleistung der Vereinsmitglieder erbaut wurde. Die Material-
kosten wurden von der Stadt getragen. Stellvertretend für alle Helfer sollte Fritz Pforr genannt werden, der die treibene Kraft beim Sporthausbau war.
Im 60. Jubiläumsjahr 1988 musste die Mannschaft leider wieder aus der A-Klasse absteigen. Dennoch war es sicherlich für den kleinen Ort ein Erfolg jahrelang auf Bezirkseben Fussball zu spielen
Es gelang jedoch in der folgenden Spielserie den Wiederaufstieg zu erreichen. Sicherlich hatte auch der damalige Trainer Gattner Anteil an diesem Erfolg.
Im Jahr 1995 bekam die Sportanlage in Kleinensee wieder ein neues Gesicht. Die marode gewordenen Pappeln im "Pappelstadion" mussten weichen. Der Spielbetrieb fand von nun auf dem errichteten
Aushilfsplatz am Rande des Naturschutz-
gebietes statt.
Im Jahr 1996 wurde das 25jährige Bestehen der Alte-Herren-Abteilung mit einem Jubiläumstunier gefeiert.
Die dünne Spielerdecke bei den Fussballsenioren führte zu einer Spielgemeinschaft mit dem FSV Widdershausen. Sie wurde 1997 ins Leben gerufen. Somit war auch sportlich der Verbleib in der A-Klasse
gewährleistet.
Das 70jährige Vereinsjubiläum im Jahr 1998 wurde mit einem Fest-
kommers und der Durchführung der Stadtmeisterschaft gefeiert. 1999 wurde nach langer Zeit die Kirmesveranstaltung wieder in Eigenregie des Sportverein durchgeführt.
Feste Traditionsveranstaltungen im Dorfleben sind auch das Oster-
feuer und das Oktoberfest des Sportvereines geworden.
Die Kleinsten und Kleinen im Dorf werden jährlich in der Weihnachtszeit vom Nikolaus bedacht, der der Einladung des Vereins stets folgte.
Wie bereits Ende der 70er Jahre setzt der SV Kleinensee weiterhin auf erfolgreiche Jugendarbeit.
So konnte nach der Spielserie 2001/2002 die Spielgemeinschaft mit dem FSV Widdershausen gekündigt werden. Damit war allerdings auch eine Neueingruppierung in der B-Liga erforderlich. Die Bereitschaft
auch einiger älterer Aktiver weiterhin dem Fussballsport treu zu bleiben, machte es sogar möglich mit zwei Seniorenmannschaften den Spielbetrieb zu gestalten.
Dank an die die mühsame aber sichtbar erfolgreiche Arbeit unserer Vorgenerationen, sie haben dem heutigen Vorstand Vereinsleben ermöglicht.
Es können sicherlich nicht alle verdienten Vereinsmitglieder namentlich aufgeführt werden, daher gelten die Genannten nur stellvertretend für Alle, die dem Verein zu Leben und Ansehen verholfen
haben.
Wir wollen auf dem Erreichten aufbauen und die Familie SV Kleinensee in die nächste Generation führen.

